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Andacht Oktober / November 2008

wir leben in einer Zeit des Lärmens. Zuhause haben wir Radio und Fernsehen, draußen den dröhnenden Moloch Straßenverkehr. Und in Beruf und Gesellschaft regieren Angst und Hektik, die uns in einen ständigen Zeitdruck versetzen. Dazu kommt die Werbung mit allen ihren Aufdringlichkeiten, durch die in uns Bedürfnisse für eigentlich nicht notwendige Dinge erzeugt werden sollen. Wir leben inzwischen damit - freiwillig oder unter Zwang. Inzwischen gibt es unzählige Menschen, besonders Kinder, die nicht mehr ruhig sitzen und zuhören können.

Warum tun wir uns so etwas an? Warum nehmen viele Menschen dieses ganze Getöse hin, regen sich aber gleichzeitig über das fröhliche Geschrei von Kindern auf? Ist unser Wunsch vielleicht: unsere Ruhe - ja, Zeit der Stille - nein? Sind wir auf der Flucht vor der Stille? Oder wollen wir gar Gott den Mund verbieten?

Die Geschichte unseres Volkes sollte uns doch Stille lehren: In diesen Novembertagen vor 70 Jahren brannten in Deutschland die Synagogen. Damals hatte das Regime der Nazis mit Hilfe vieler Zeitgenossen die Menschen einer ganzen Kulturnation in Haftung genommen. Und doch wurde uns nach diesem Rassenwahn und den Kriegsfolgen ein vereinigtes und freies Deutschland zurückgegeben. Und unser eigenes Leben mahnt uns: Da gibt es neben allen schönen und guten Dingen doch auch Schuld und -hoffentlich- Vergebung.

Oder die denkwürdige Begegnung mit dem Tod, wenn die Glieder der Familie am Bett des Verstorbenen schweigend zusammensitzen. Wenn die Gedanken eines Jeden in der Erinnerung an diesen Menschen zurückgehen oder der Gedanke an das eigene, mitunter recht nahe, Ableben sich meldet.

Die Heilige Schrift kennt einen großen König in Israel, der Gott an seiner Seite wusste: David. Auch er war nicht allmächtig, auch er war in seinem Leben nicht ohne Schuld, aber erhielt sich an Jahwe, den Gott der Väter (und Mütter). David hat uns eine Dichtung hinterlassen, die wir als den Psalm 62 nachlesen und bedenken können. Der große König stellt sich unter Gott: Er weiß sich ganz abhängig, aber er weiß sich auch ganz geborgen. In der Stille, im Hören auf Gott findet er Kraft und Mut. Und er lässt an seiner Brücke zwischen Zeit und Ewigkeit bauen.

Liebe Leserin, lieber Leser, wir alle, Sie und ich, brauchen diese Stille, damit Gott zu uns reden kann. Vielleicht halten wir uns dabei einfachan den Psalm 62.“Meine Seele iststill zu Gott, der mir hilft…“

In diesem Sinnewünsche ich Ihnen in der Zeit des Erntedankes, aber auch in der Zeit des trauernden Gedenkens die Stille, in der Gott spricht: Ganz persönlich, ganz verbindlich.

Mit herzlichem Gruß
Hans-Dieter Klocke


Archiv der Andachten

Die Andachten der vergangenen Monate können Sie [hier] noch einmal nachlesen.



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