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Andacht Dezember 2008 / Januar 2009

Liebe Leserin, lieber Leser,

Advent ist die Zeit der offenen Türen. Da wachen die Kinder morgens schon erwartungsvoll auf und freuen sich, an jedem Tag eine andere Tür des Adventskalenders zu öffnen. Und auch wir Erwachsenen besitzen oft auch selbst einen solchen, weil auch wir Freude und Spaß daran haben, uns überraschen und beschenken zu lassen.

Offene Türen sind etwas Besonderes. Ein "Tag der offenen Tür" wird groß angekündigt und hervorgehoben - sei es in der Schule oder im Museum, im Betrieb oder der Ausbildungsstätte. Denn meistens sind Türen geschlossen und dazu gibt es sie ja eigentlich! Türen sollen ja gerade etwas abschließen und schützen - vor den Augen der anderen, der Nachbarn oder der Öffentlichkeit. Sie zeigen an, dass es gute und hilfreiche Grenzen gibt - dass nicht alles immer und überall offen steht, zu meiner Verfügung ist. Und das ist auch gut so, denn alles hat schließlich seine Zeit. Schlimmer ist es dagegen, wenn wir ungewollt vor verschlossenen Türen stehen: den Ausbildungsplatz nicht bekommen oder den Schulabschluss nicht erreichen, den wir ins Auge gefasst haben, oder wenn der Betrieb, in dem ich in Brot und Lohn stehe, mich einfach entlässt oder keine Perspektive mehr für mich hat. Manchmal versperrt eine Krankheit mir den Durchgang zu dem Weg, den ich gehen will, und ich muss meine Lebenspläne ändern. Oft tun sich nicht gleich sofort neue Türen auf, durch die ich gehen kann oder die mich willkommen heißen. Hin und wieder fallen Türen mit lautem Krach ins Schloss, und Beziehungen brechen auseinander oder gehen zu Ende. Das sind Erfahrungen, die dann mit Schmerzen und großem Leid verbunden sind. Und auch ich selbst verschließe manchmal Tor und Riegel - zu dem, was ich fühle und meine, lasse andere Menschen nicht an mich heran und gebe auch Gott keine Chance, mit mir zu reden.

Die Adventszeit ist eine besondere Zeit: die Zeit der offenen Türen. "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit - es kommt der Herr der Herrlichkeit" so singen wir am 1. Advent, und diese Worte des 24. Psalms begleiten uns in den Tagen bis Weihnachten. Gott öffnet sich für uns und für diese Welt. Gott selbst wird Mensch in diesem Jesus, der seine ersten Tage in einer Futterkrippe in einem Stall verbringt, bevor sich Maria und Josef mit ihm auf die Flucht begeben müssen vor den Mächtigen der Welt, denen dieses kleine Kind schon ein Dorn im Auge ist. Gott selbst wird Mensch in diesem Jesus, der uns zeigt, was Gott mit uns vor hat, dessen Worte und Taten mein Herz aufschließen für das, worauf es im Leben ankommt: auf Mitfühlen und Mitmenschlichkeit, auf Vertrauen, Verantwortung und Vergebung, auf miteinander Teilen und einander Trösten. Gott selbst macht sich auf den (manchmal weiten) Weg zu uns, klopft an unsere Herzenstür und hofft, dass wir ihn in unser Leben hineinlassen und mit ihm das Fest unseres Lebens feiern.

Die Adventszeit ist in diesem Jahr auch die Zeit der offenen Türen in unserer Gemeinde. Eine Freundin, die mit ihrer Familie nach Oldenburg zog, hatte den Mut, gleich im ersten Jahr des Wechsels beim offenen Adventskalender in ihrer neuen Kirchengemeinde mitzumachen. "Ich bin froh, dass ich dazu den Mut hatte" sagte sie später. "Es fällt mir oft nicht leicht, auf andere Menschen zuzugehen, und so war es für mich eine ganz tolle Erfahrung, an einem Nachmittag die eigene Haustür zu öffnen und offen zu sein für die Begegnung mit anderen. Ich habe so diese Adventszeit noch einmal anders wahrgenommen als sonst. "Vielleicht haben auch Sie den Mut, ihre Türen zu öffnen odersich selbst auf den Weg zu machen. Oder können fröhlich mitsingen, wenn es heißt: "Komm o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr."

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Adventszeit, ein fröh-liches Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2009!
Ihre Pastorin Claudia Schreiber


Archiv der Andachten

Die Andachten der vergangenen Monate können Sie [hier] noch einmal nachlesen.



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