Liebe Leserin, lieber Leser,
verändern Sie sich! In ein paar Tagen sind Sie ein neuer
Mensch. Sie haben fünf bis zehn Kilo abgenommen. Im
Gesicht sind keine Falten mehr zu entdecken. Mit neuem
Selbstvertrauen können Sie die Welt erobern und mehr aus
sich und ihrem Leben machen! Ein anderes „outfit“ wird begeistern.
Jeden Tag strömen solche Appelle zur Veränderung
durch die Medien, durch Zeitung, Radio, Fernsehen oder
durch das Internet auf uns ein. Worum es auch geht - um
unsere Schönheit, unsere Vitalität und Gesundheit oder um die
Anforderungen in Schule und Beruf - die Botschaft ist einfach
und klar: Es liegt allein an mir, mich oder andere zu verändern.
So wahr dies sein mag, so ist es doch nur die eine Seite
der Medaille. Denn nicht alles lässt sich ändern oder verändern.
So wie es diese kleine Geschichte erzählt:
Eine Frau beschloss, einen Garten anzulegen. Sie bereitete
den Boden vor und streute die Samen wunderschöner Blumen
aus. Als die Saat aufging, wuchs auch der Löwenzahn. Die
Frau versuchte mit allen möglichen Methoden, den Löwenzahn
auszurotten, aber nichts half. Am Ende machte sie sich auf,
um in der fernen Hauptstadt den Hofgärtner des Königs zu
befragen. Der weise alte Gärtner, der schon so manchen Park
angelegt hatte, gab ihr viele Ratschläge, wie der Löwenzahn
loszuwerden sei. Aber was er auch vorschlug, die Frau hatte
alles schon probiert. So saßen die beiden ratlos da, bis am
Ende der Gärtner die Frau anschaute und sagte:
“Wenn denn alles, was ich dir vorgeschlagen habe, nichts
genützt hat, dann gibt es nur einen Ausweg: Lerne, den
Löwenzahn zu lieben.“
Lerne, den Löwenzahn zu lieben! Freunde dich mit schwierigen
Menschen an. Akzeptiere die Schwächen des Partners
oder der Kinder. Nimm dich so an wie du bist. Natürlich fällt
uns das schwer. Denn zu sehr ist unser Blick geübt, das
wahrzunehmen, was noch nicht perfekt ist - sei es bei anderen
Menschen, im Alltag und Beruf oder auch in der Gemeinde.
In Situationen, in denen es mir so ergeht wie der Gärtnerin in
der Geschichte, hilft mir oft die Erinnerung an das Gebet der
Gelassenheit. „Herr, schenke mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern,
die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu
unterscheiden.“ Auf einer Karte fand ich dazu folgende
Ergänzung:
“Wenn dich Sorgen nicht zur Ruhe kommen lassen, schenke
Gott Dir die Gewissheit, dass er Dich in schweren Zeiten nicht
allein lässt.
Wenn Du in Deiner Arbeit in Hektik gerätst, lasse er Dich Luft
holen, damit Du konzentriert Deine Aufgaben erfüllen kannst.
Wenn Du Dir zuviel vorgenommen hast, und nicht weißt, was Du
zuerst tun sollst, schenke er Dir einen klaren Blick auf das
Wesentliche.
Wenn Du glaubst, dass Du zu kurz kommst, dann erinnere er
Dich daran, dass weniger meist mehr ist.“
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Sommertage voll
Gelassenheit und grüße Sie herzlich
Ihre Pastorin Claudia Schreiber