Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn Sie diesen Gemeindebrief bekommen, befinden wir uns in
Nordrhein-Westfalen mitten in den Schulferien. Hoffentlich
haben Sie Gelegenheit, sich zu erholen und den Sommer zu
genießen. In der ruhigen Sommerzeit kommt mancher vielleicht
dazu, sich über das eine oder andere Gedanken zu machen,
wofür wir sonst oft betriebsblind sind. Ich möchte heute einmal
das Thema des „Redens über Gott“ bzw. des „Gebrauchs des
Gottesnamens“ ansprechen.
Beim Thema „Gebrauch des Gottesnamens“ haben viele Leute
langjährige Gewohnheiten. Die einen benutzen den Namen
Gottes sehr verantwortungsbewusst; sie reden nur von Gott,
wenn sie auch Gott meinen. Andere aber haben sich angewöhnt,
auch dann „o Gott“ zu sagen, wenn sie eigentlich nur „o
Schreck“ meinen. Es gibt sogar Leute, die von „Gott“ reden,
wenn sie eigentlich schimpfen oder fluchen wollen. Dass „o je“
etwas mit Jesus zu tun hat, ist manchem vielleicht gar nicht
einmal bekannt. Ebenso wenig denken manche über die
Verballhornisierungen des Gottesnamens nach. „Igitt“ oder
„Potzblitz“ – auch darin steckt der Name Gottes, nur eben in
abgenutzter Form.
Oder kennen Sie eine der häufigsten Antworten auf die Frage
„Wie geht es dir?“ Da wird dann dreimal auf den Tisch
geklopft und hinzugefügt: „t…-t…-t…!“ (Sie wissen schon, was
ich meine.) Hier handelt es sich um ein altes Ritual unter
Nennung des Teufelsnamens. Dabei wird der Name Gottes
durch den Namen des Gegenspielers ersetzt. Ich spreche von
dieser Sache deshalb, weil ich das „t…-t…-t…“ ziemlich oft
höre und es mich jedes Mal sehr stört.
Jesus sagt in der Bergpredigt: „Eure Rede aber sei : ja, ja,
nein, nein. Was darüber ist, das ist von Übel.“
(Matthäusevangelium 5, 37). Wir brauchen weder den Namen
Gottes noch irgendein anderes Ritual als Unterstützung dessen,
was wir sagen wollen. Ja, mehr als das: Gott verbietet es im 3.
Gebot ausdrücklich und streng, seinen Namen in dieser Weise
zu missbrauchen. Wenn wir etwas mitteilen wollen, genügt eine
klare Aussage. Unser Reden soll eindeutig sein, auch ohne
gewohnheitsmäßige halbreligiöse Beteuerungen dieser Art.
Vielleicht haben Sie von der Andacht in der Ferienausgabe von
„Wir in S.“ etwas anderes erwartet? Ich denke, belanglose
Betrachtungen, die niemanden wirklich betreffen und deshalb
auch keinem wehtun, helfen niemandem weiter. Beim Namen
Gottes geht es ums Eingemachte: Um unsere aufrichtige
Beziehung zu dem lebendigen Gott. Und hat es nicht Sinn, gerade
in den Sommerferien über die Beziehung zu diesem Gott
nachzudenken – und dabei auch die eigenen
Sprechgewohnheiten zu überdenken?
Ihnen noch gute, wirklich entspannte Ferientage!
Ihr Pastor Jörn Schendel