Liebe Leserin, lieber Leser,
nach Weihnachten wurde im Fernsehen der große
Filmzweiteiler über den Kirchenvater Augustinus übertragen.
Seine Lebensgeschichte ist faszinierend. Er lebte um
400 n. Chr. Geboren wurde er in Nordafrika. Augustinus hat
in seinem Leben vieles ausprobiert. Er wurde mit gerade einmal
17 Jahren Vater eines Kindes, war Professor der
Redekunst (Rhetorik), wirkte unter anderem am kaiserlichen
Hof und versuchte es mit allen möglichen religiösen und philosophischen
Strömungen. Mit 32 Jahren wurde er in Mailand
unter dem Einfluss eines gelehrten Bischofs Christ. Augustinus
bekannte in seinen Lebenserinnerungen („Bekenntnissen“), dass
seine Seele so lange unruhig war, bis sie in Gott Ruhe gefunden
hatte.
Haben Sie vielleicht auch schon
unruhige Menschen kennen gelernt,
die irgendwann zur Ruhe fanden? -
Von Leuten, die nicht mehr die
Jüngsten und daher nicht mehr so
streitbar sind wie früher, sagen wir:
„Er /sie ist ruhiger geworden“. -
Andere Leute haben in ihrem Leben
ein einschneidendes Erlebnis, finden
z. B. den Partner, der zu ihnen
passt; und wir sagen: „Er / sie ist
endlich zur Ruhe gekommen!“ – Die
Sache mit Ruhelosigkeit und innerer
Ruhe kennen wir vielleicht auch aus
der Erfahrung mit uns selbst. Als ich
vor ein paar Jahren innerhalb von
zwei Wochen eine Rucksack-Reise
durch sieben europäische Länder
machte, sagte mir eine Bekannte: „Findest du das nicht ein
bisschen ruhelos?“ Wahrscheinlich hatte sie Recht. Auch bei
unseren Reiseplänen kann sich Ruhelosigkeit einschleichen.
Wie kommen wir zur Ruhe?
Augustinus fand Ruhe in der Begegnung mit Gott. Mit
Sicherheit kannte er den Vers aus Psalm 62, Vers 6, der im
März 2011 auch unser Monatsspruch ist: „Bei Gott allein kommt
meine Seele zur Ruhe; denn von ihm kommt meine Hoffnung.“
Aus dieser neu gewonnenen Ruhe heraus hat Augustinus viele
wichtige Dinge tun können. Er wurde Bischof in Hippo Regius
(in Nordafrika), wurde einer der wichtigsten Lehrer der frühen
christlichen Kirche und einer der bedeutendsten Theologen aller
Zeiten. – Ruhe für die Seele: Das ist Musik in den Ohren vieler
Menschen gerade auch in unserer stressigen Zeit. Beruf,
Familie, vielleicht Ehrenamt, Haus und Garten: Manche Leute
bringt dieses Lebensprogramm an den Rand ihrer Kräfte –
Frauen und Männer. Was für ein Neuanfang wäre es, wenn wir
das alles in größerer Ruhe angehen könnten! – Ruhe für die
Seele: Das kann auch Musik sein in den Ohren vieler Leute, die
sich schon so lange bemühen, ihr Leben zu verändern. Immer
neue Versuche, Zigaretten und Alkohol wegzulassen; immer
neue Versuche, ein besserer Vater, ein besserer Ehemann (oder
Mutter / Ehefrau) zu sein: Wann werden wir nach allen diesen
Anstrengungen endlich zur Ruhe kommen?
Zur Ruhe kommen heißt, Anschluss zu finden an den Ursprung,
von dem wir herkommen. Wir sind geschaffen von Gott; also
brauchen wir auch den Anschluss an ihn – in diesem Leben und
eine Ewigkeit lang. Es ist wie bei einem drahtlosen Telefon oder
einem Handy: Ohne, dass es regelmäßig ans Stromnetz angeschlossen
und aufgeladen wird, kann es nicht funktionieren. Wir
Menschen funktionieren nur mit Gott; ohne Gott sind wir bald
ohne „Saft und Kraft“. Nur mit Gott gelangen wir dorthin, wohin
wir gehören. Bei ihm – bei unserem Schöpfer - sind wir zu
Hause. Das macht ruhig; das bringt Frieden; das gibt
Gelassenheit; das lässt hoffen auf sinnvolles, erfülltes und ewiges
Leben.
„Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; denn von ihm
kommt meine Hoffnung.“ Dieser Monatsspruch wirft uns auf den
zurück, der sich uns überhaupt erst ausgedacht hat. Zur Ruhe
kommen – Gelassenheit kennen lernen – bei Gott Frieden finden:
Wäre das - Anfang Februar - für Sie noch ein guter Wunsch
zum neuen Jahr? Ich wünsche ihnen diese Ruhe!
Ihre Pastor Jörn Schendel