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vor zweieinhalb Jahren war es auch
für uns nur ein asiatisches Land mit fünf
Buchstaben. Heute ist es bereits seit fast
zwei Jahren unser Zuhause auf Zeit. Als mein
Arbeitgeber, die BASF Coatings in Münster,
mich im Dezember 2008 fragte, ob ich mir
einen vierjährigen Aufenthalt im Land der
Mitte vorstellen könnte, musste die
Entscheidung fast über Nacht getroffen werden.
Wir, meine Frau und ich, sagten gemeinsam
Ja zu dieser Herausforderung – und
Chance, beruflich wie persönlich. Seit Mai
2009 leben wir mit unserer nun 14 Monate
alten Tochter in Shanghai, einer der weltweit
wirtschaftlich und kulturell am stärksten pulsierenden
Metropolen der Welt. Und sagen
heute: Die Stadt ist Heimat geworden – trotz
vieler praktischer Widrigkeiten und kultureller
Balanceakte, die wir seither gemeistert und
weiterhin täglich zu bestehen haben. Sei es im
Job, in dem ich lernen musste, dass ich als
Chef von 140 chinesischen Mitarbeitern auch
bei deren „Volkssport“ Karaoke eine souveräne
Figur abgeben muss. Oder im Alltag, in
dem man im Restaurant die Speisen nach
Bildern bestellt. Oder aber inmitten der Schar
von Menschen, die mit den fremden Weißen
Fotos machen wollen – vor allem mit unserer
kleinen Tochter, die man streicheln, halten und
wie eine Trophäe herumzeigen will.
Aber wir haben Freunde gefunden in der
Fremde, Deutsche, die unsere Erfahrungen teilen,
Chinesen, die uns ihre Kultur erklären.
Ein religiöses Zuhause in einem weitgehend
nicht-christlichen Land schenkt uns die interkonfessionelle
deutschsprachige
Gemeinde in
Shanghai, in der
Protestanten und
Katholiken gemeinsam
eine christliche
Diaspora bilden und
Gottesdienste feiern.
Bereut haben wir die
Entscheidung nicht.
Wir haben schon
jetzt China jenseits
aller Klischees kennen-, vieles lieben- und bei
all dem einiges über uns selbst gelernt.
Nils Leßmann
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