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Unsere Kirche
Gründungszeit der Gemeinde    Bis zur Gründung der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Sylbach gehörte das heutige Gemeindegebiet zu den Kirchengemeinden Schötmar und Lage. Es gab jedoch bereits die christlichen Vereine EC und CVJM in Sylbach, welche den ortsansässigen Christen eine Heimat boten. Diese erbauten 1923 ein Vereinshaus am Lambrachtweg. 1939 wurde dieses Vereinshaus auch Heimat für die neu gegründete Kirchengemeinde, welche das Vereinshaus übernahm, um dieses vor der Enteignung durch die NS-Behörden und eine Übertragung an die Hitlerjugend zu schützen. (Die Vereine konnten durch die Nationalsozialisten enteignet werden, Kirchengemeinden im Normalfall nicht.)
Nach dem zweiten Weltkrieg entschloss man sich, eine Kirche und ein Pfarrhaus zu bauen, doch war das Geld nach der Währungsreform im Jahre 1948 noch recht knapp, sodass der Bau erst im Jahr 1951 beschlossen werden konnte, während das Pfarrhaus bereits 1949 im Gründungsjahr der Bundesrepublik fertiggestellt wurde. Im Jahr 1950 entsprach das Vereinshaus nicht mehr dem Bedarf, sodass Teile abgerissen und neu gebaut wurden. Dieses wurde allerdings 1965 abgerissen, um ein erheblich größeres zu bauen.
Im Jahr 1953 wurde schließlich mit dem Bau der Kirche begonnen. Ursprünglich war der heutige Sportplatz in Holzhausen als Ortsmittelpunkt als Bauplatz vorgesehen. Da die Kommune jedoch plante das Feld hinter der Kirche als Wohngebiet bebauen zu lassen, entschloss man sich die Kirche dort zu bauen, da so die Kirche auch in Nähe der Gemeindeteile Hölserheide und Waddenhausen liegt und das Vereinshaus nicht weit entfernt ist.
 
Unsere Kirche    Unsere Kirche - Foto: Axel Schwarze
 
Planung und Bau der Kirche    Der Schötmaraner Architekt Wilhelm König wurde mit dem Bau beauftragt, dieser orientierte sich bei seinen Planungen an der evangelisch-lutherischen Heilig-Geist-Kirche in Lage, der ersten nach dem Krieg gebauten Kirche in Lippe, und maßgeblich an der von dem Hamburger Kirchbaumeisters entworfenen evangelisch-reformierten Kirche in Detmold-Hiddesen. König nutzte schließlich seine Erfahrungen aus Sylbach auch für den Bau der Kirchen unserer Nachbargemeinden Knetterheide und Retzen.
Am 3. Mai 1953 wurde der Grundstein mit dem eingemeißelten Spruch „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“ (1. Korinther 3,11) gelegt. Bereits im Juni konnte Richtfest gefeiert werden. Nachdem die Glocken der Kirche geliefert wurden, wurde die Kirche am 21. März 1954, ungefähr 15 Jahre nach Gründung der Gemeinde, geweiht.
 
Die Glocken    Glocken - Foto: Axel Schwarze
 
Das Gebäude    Möchte man das äußere der Kirche beschreiben, so könnte man diese als überdimensionales Wohnhaus, in dem Stil der in den 50’er Jahren erbauten Siedlungshäuser, welches einen angebauten Turm besitzt, bezeichnen. Der 26 Meter hohe Turm trägt ein Stahlkreuz auf einer Kugel mit etwa einem Meter Durchmesser, dies ist Zeichen dafür, dass Jesus die Welt regieren soll. Das Kreuz mit der Kugel wurde in den 90’er Jahren wegen Rostschäden erneuert. Das ursprüngliche Kreuz besaß ein kleines Querkreuz und Spiralen an den Enden der Balken.
Der Anbau der Kirche mit Toiletten und Küche, welcher sich links des Haupteinganges befindet, wurde erst 1999 erbaut. Bis zu dem Umbau in dem Jahr befand sich über dem heutigen Mutter-Kind-Raum, welcher ursprünglich als Konfirmandensaal gebaut wurde, die Empore. Diese wurde zu einem Gruppenraum umgebaut, damit der Kindergottesdienst zeitgleich mit dem Gemeindegottesdienst in einem Gebäude stattfinden kann. Um weiterhin eine Empore zu haben, wurde diese um einige Meter vorgezogen.
Die Form der Kirche entspricht keiner Kirchbautradition, so handelt es sich bei dem Gottesdienstraum an sich um einen einfachen rechteckigen Raum ohne Vierungen und Unterteilungen in mehrere Schiffe. An der Nordseite befindet sich ein Anbau, der den Chören Sitzgelegenheiten bieten soll. Lediglich das kirchbautraditionelle Element einer Apsis bzw. eines Chors ist mit der durch zwei Stufen erhöhten Nische für Abendmahlstisch, Kanzel und Taufschale ist vorhanden.
Da die sanitären Anlagen über die Nebengebäude verstreut waren und der Zustand zu Wünschen übrig ließ, wurde 1999 die Kirche um einen Anbau erweitert, in dem sich eine Küche sowie Toiletten befinden.
 
Die Apsis    Apsis - Foto: Axel Schwarze
 
Das Inventar der Kirche    Einen Altar gibt es wegen des reformierten Bekenntnisses nicht, der zentrale Tisch wird deshalb Abendmahlstisch genannt und ist aus Eichenholz, wie auch das restliche Mobiliar der Kirche, gefertigt. Wesentliche Elemente dieses Tisches sind die Osterkerze, die Bibel und das Antependium bzw. Parament (Durch Stickereien verziertes Tuch in der jeweiligen liturgischen Farbe, entspricht eigentlich nicht der reformierten Tradition).
Von der Gemeinde aus links neben dem Abendmahlstisch befindet sich die Kanzel, rechts die Taufschale.
Hinter dem Abendmahlstisch befinden sich in der Westfront der Kirche fünf raumhohe Fenster, welche unten sehr dunkel gehalten sind und nach oben heller werden. In dem mittleren Fenster befindet das christliche Zeichen mit dem durch ein X durchkreuztes P, beides zusammen die altgriechischen Initialen für Jesus Christus. Dies ist links und rechts flankiert durch die altgriechischen Großbuchstaben des Alpha und Omega, also dem ersten und letzten Buchstaben des griechischen Alphabetes. Im Gesamtsinn bedeutet dies, dass Jesus Christus von Anfang bis zum Ende der Welt regiert.
Die fünf Fenster wurden beim Bau der Kirche der Gemeinde gestiftet. (Die Stifter von rechts nach links: CVJM, EC und Frauenhilfe Sylbach; ev.-ref. Kirchengemeinde Bad Salzuflen; Architekten Sander und König; ev.-ref. Kirchengemeinde Lage; ev.-ref. Kirchengemeinde Schötmar)
Fünf der sieben Seitenfenster der Kirche wurden ebenfalls gestiftet, diese mussten jedoch inzwischen erneuert werden, um die Heizkosten der Kirche zu senken. (Die Stifter waren die ev.-ref. Kirchengemeinden Helpup, Wülfer-Knetterheide, Stapelage, Leopoldshöhe und Ahmsen-Lockhausen.)
Nach der Einweihung der Kirche war nur ein Harmonium vorhanden, welches den Gemeindegesang nur unzureichend begleiten konnte. Bei der Orgelbaufirma Gustav Steinmann in Vlotho wurde deshalb 1956 eine Orgel in Auftrag gegeben. Da die ersten Entwürfe nicht den Vorstellungen des Kirchenvorstandes entsprachen, wurde erst 1957 mit dem Bau begonnen, die Orgel wurde am 8. Dezember 1957 eingeweiht. Sie besitzt 17 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal und hat 822 Pfeifen.
Die Geschichte der Glocken der Sylbacher Kirche ist eine Besondere und noch vielen der älteren Sylbacher Bewohnern in guter Erinnerung:
Während des zweiten Weltkrieges wurde die Essener Pauluskirche durch Fliegerbomben zerstört, jedoch blieben die Glocken unversehrt und konnten so für das Geläut in der Sylbacher Kirche gekauft werden. Die kleinste Glocke hatte den Grundton „as1“ und passte nach den damaligen Vorstellungen nicht zu den beiden größeren Glocken „d1“ und „f1“, sodass eine neue Glocke mit dem Grundton „g1“ gegossen wurde. Die Glocken kamen am 27. Februar 1954 in Sylbach an und wurden mit einer langen Prozession der Gemeinde vorgestellt, wovon ältere Gemeindeglieder lebhaft berichten können.

matthias schalk (Dezember 2003/Juli 2007)


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